Lesung zum Thema Deserteure am 24.09.2026

Deserteure wollen nicht töten, sie wollen nicht sterben: Sie verweigern sich dem Krieg. Rolf Cantzen zeigt, wie der Wille zum Überleben und die Kraft des Gewissens zu extremen Entscheidungen führen können und wie militärische Repressionsapparate das zu verhindern suchen.

Desertieren – ein mutiger Akt des Widerstandes oder ein Verrat an der Gemeinschaft? In Kriegen gelten Deserteure oft als „Kameradenschweine“ oder Drückeberger, Menschen, die sich ihrer Pflicht entziehen. Doch was treibt jemanden dazu, den Dienst an der Waffe zu verweigern, Staat und Armee die Loyalität aufzukündigen und zu fliehen? Welche religiösen Überzeugungen und politischen oder humanistischen Ideale sind dafür ausschlaggebend, welche Rolle spielt die spontane Selbstermächtigung, einfach nicht mehr mitzumachen?

Die Konsequenzen, die Deserteure für ihre Entscheidung zu erwarten haben, sind in der Regel drastisch: Gesellschaftliche Ächtung, aber auch Haftstrafen und Todesurteile drohen. Nach dem Zweiten Weltkrieg blieben Deserteure hierzulande noch lange stigmatisiert, ihre Richter und Ankläger konnten hingegen ihre Karrieren in Justiz und Politik fortsetzen. Erst im Jahr 2009 wurden die Urteile aus der NS-Zeit gegen die Desertierten vollständig aufgehoben.

Rolf Cantzen widmet sich im Buch den Entscheidungen, die hinter einer Desertion stehen, sowie den Reaktionen der Obrigkeit: Dabei spannt er einen weiten historischen Bogen vom römischen Reich über die NS-Zeit bis zum Ukraine-Krieg.

Rolf Cantzen

geboren 1955 im Emsland, studierte in Hannover und Berlin Politikwissenschaft, Philosophie, Germanistik und Soziologie. Er hat mehrere Sachbücher, Romane und Erzählungen veröffentlicht und zahlreiche Rundfunkfeatures geschrieben. 2024 bekam er den Alternativen Medienpreis in der Kategorie Geschichte für die „Lange Nacht der Deserteure“.

Deserteure – Die Geschichte von Gewissen, Widerstand und Flucht.

2025, zu Klampen Verlag, Springe. ISBN 978-3-98737-030-4. 203 S., 24 €.

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